Interview mit Roxette

Marie und Per über ihre Musik und die neue Tour

Nach sieben Jahren wieder back on Tour: In der ausverkauften Olympiahalle in München startete das schwedische Pop-Duo Roxette am 28. September 2001 seine Welttournee "Roomservice". Im Interview sprechen sie über ihre Musik und die neue Tour.

ROXETTE war jetzt eine ganze zeitlang nicht mehr auf Tour, und zweifellos fragen sich Eure Fans, womit Ihr in den letzten Jahren beschäftigt wart.

Per: Na ja, wir haben das letzte Album im Frühjahr 1999 veröffentlicht. "Have A Nice Day" war der Titel. Wir waren dann damit beschäftigt, dafür Promotion zu machen und entschieden uns, nicht mit dem Album auf Tour zu gehen, sondern gleich wieder ins Studio. Also haben wir im Januar 2000 damit begonnen, am aktuellen Album zu arbeiten. Das ist es also im Grunde, was wir in den letzten paar Jahren gemacht haben. Und davor wiederum haben wir natürlich an "Have A Nice Day" gearbeitet. Man braucht etwa ein Jahr, um ein Album zu schreiben.

Wie würdet Ihr Eure Zusammenarbeit beschreiben?

Marie: Es ist super! Wir haben immer viel Spaß zusammen, und wir kennen uns sehr gut. Wir mögen beide das neue Album "Room Service" wirklich sehr gerne, und es beinhaltet einige Songs, die sehr ROXETTE-typisch sind. Ich denke, es ist eine Mischung aus alten Zeiten und unserem heutigen Sound. Ich freue mich wirklich darauf, das Album zu vorzustellen.

Habt Ihr mit dem neuen Album bestimmte Ziele verfolgt?

Per: Ich denke, das neue Album spiegelt ein bisschen das wider, was wir mit "Have A Nice Day" erreichen wollten. "Have A Nice Day" war für uns das erste Album nach vielen Jahren, und wir wussten nicht so recht, wie es sein sollte. Wir gingen ins Studio und machten so viele verschiedene Dinge, so dass es in gewisser Hinsicht ein sehr komplexes Album ist, weil es in so viele verschiedene Richtungen geht. Das neue Album ist das Gegenteil: Wir haben versucht, wieder zum klassischen ROXETTE-Stil zurückzukehren. Zum Beispiel ist auf "Have A Nice Day" meine Stimme immer verzerrt. Auf dem neuen Album ist sie sehr klar. Solche Dinge... Wir haben versucht, alles sehr einfach, offensichtlich, unkompliziert zu machen - Fun, sozusagen. Ich denke, das ist vielleicht das kommerziellste Album, das wir seit "Joyride" gemacht haben. Wir haben uns einfach hingesetzt und beschlossen, etwas zu machen, das sehr stark "Classic ROXETTE" ist - das ‚ was wir wirklich gut können: Popmusik schreiben.

Was sind also die Hauptunterschiede zwischen "Room Service" und den vorherigen Alben?

Per: Ich denke, wir wollten ein schnelles Album machen, das sehr viel Energie hat. Für viele Leute ist der klassische ROXETTE Song eine große Ballade. Die Balladen auf "Room Service" sind viel "kleiner". Wir haben Stücke wie "Milk And Toast And Honey", das ein total aufgeblasenes Riesending hätte sein können, aber wir haben versucht, es sozusagen etwas kleiner zu produzieren. Es war uns einfach danach... vielleicht hatten wir uns selbst manchmal einfach ein bisschen satt...

Wieviel Zeit verbringt Ihr im Studio, bevor ein neues Album veröffentlicht wird?

Marie: Wenn wir zusammen arbeiten, beginnt es mit einem Demo von Per.
Per: Oder mit einem Demo von Dir.
Marie: Ja, aber das passiert nicht sehr oft. Diesmal haben wir im Januar vergangenen Jahres angefangen. Am Anfang waren es glaube ich fünf oder sechs Songs, alle von Per geschrieben...
Per: ... die sich als Scheiße herausstellten
Marie: Nein, das ist nicht wahr. Da sind ein paar richtig gute dabei. Und dann haben wir eine Pause gemacht, und ich habe zwischen den Sessions mit ROXETTE viel mit meinem eigenen Zeug auf
Schwedisch gearbeitet. Dann haben wir schließlich wieder losgelegt... ich glaube, es war Ende März... März oder April, wir haben einige neue Sachen aufgenommen, und anschließend hatten wir eine Sommerpause. Es ist so einfach, zusammenzuarbeiten: wir arbeiten vielleicht fünf, sechs Wochen im Studio, und dann brauchen wir uns gegenseititg einfach überhaupt nicht: Ich setze mich hin und schreibe, und Per setzt sich hin und schreibt... das macht unsere Zusammenarbeit so einfach, so erfrischend.

Ihr schreibt und produziert seit vielen Jahren extrem erfolgreiche Songs. Mehr als vierzig Singles von euch sind weltweit hoch in die Charts gegangen. Arbeitet Ihr immer nach dem selben Strickmuster?

Per: Die Art wie man heute Platten produziert unterscheidet sich stark von der Art, wie man das Mitte der 80er getan hat, als wir rausgekommen sind. Man arbeitet mit Computern und Pro-Tool-Systemen und allem möglichen. Die ganze Art zu denken hat sich dadurch total verändert. Der Nachteil hierbei ist, dass man heutzutage sehr leicht dazu tendiert, zu "überproduzieren" und Dinge zu übertreiben. "Früher" - ich meine, noch gar nicht so lange her - haben sich einfach 5 Leute im Studio zusammengesetzt und den Song gespielt, und das war die Aufnahme. Das macht man heute nicht mehr - oder WIR machen das nicht mehr. Drums und Bässe etc. kommen alle aus dem Computer. Das ist natürlich ein Unterschied und verändert die ganze Einstellung.

Wie wichtig ist es für Euch, auf Tour zu gehen?

Marie: Das ist immer wichtig bei großen Hits (lacht)! Nein, wir lieben einfach gute Pop und Rock Sounds, starke Melodien. Es war immer so was wie unser Markenzeichen, dass all unsere Singles immer sehr melodisch waren, sehr einprägsam. Einfach alle, angefangen von "lt Must Have Been Love" über "Joyride" bis "Sleeping In My Gar" und was auch immer, so an die 40 Singles. Natürlich wünschen wir uns, dass das neue Album sehr erfolgreich wird. Wir arbeiten hart dafür und lieben es, aufzutreten und unsere Fans zu treffen, und deshalb ist es Super, wieder auf Tour zu gehen.

"Room Service" ist irgendwie ein seltsamer Titel... wie seid Ihr darauf gekommen?

Per: Na ja, der Titel "Room Service"... Wir haben uns gedacht, dass es das ist, was Musik eigentlich macht: sie füllt einen Raum mit Energie, Kommunikation... also ist sie so was wie ein "Room Service", oder? Wir versuchen immer, ein Konzept zu haben, wenn wir eine neue Platte machen. Wir hätten sie sonst auch ROXETTE 7 oder 8 oder so nennen können...

Ihr habt diesmal ein anderes Studio gewählt. Was waren die Gründe dafür?

Marie: Diesmal haben wir das Album in Stockholm aufgenommen. Ich glaube, die meiste Zeit haben wir im Polar Studio gearbeitet. Es gab noch ein weiteres Studio namens Atlantis. Natürlich war das ein großer Unterschied im Vergleich zum "Have A Nice Day" Album, welches zum Großteil in Spanien aufgenommen ist. Ich denke, es macht die Sache schon ein bisschen leichter, wenn man zu Hause arbeiten kann, wenn man die eigenen vier Wände und seine Familie in der Nähe hat. Aber natürlich war es auch schön in Spanien, vor allem weil das Wetter dort so viel besser ist als hier um diese Jahreszeit.
Per: Wir kriegen auf jeden Fall mehr auf die Reihe in Stockholm, weil das Wetter so schlecht ist. Zumindest verbringen wir mehr Zeit im Studio. Aber es macht auch Spaß, im Polar Studio zu arbeiten. Es ist ein super Studio, in dem schon Bands wie ABBA, Led Zeppelin und Genesis gearbeitet haben. Die Umgebung ist auch toll, in der Straße gibt's ein paar geniale Restaurants... und weil es in Stockholm ja Taxis gibt, ist das auch kein Problem.

Wie geht Ihr eine neue Produktion an?

Per: Wie immer haben wir auch bei "Room Service" versucht, ein paar neue Leute ins Spiel zu bringen. So haben wir zum Beispiel Techniker gewechselt, und wir haben einen Typen namens "Shooting Star" engagiert, ein schwedischer Programmierer, der 200 Jahre jünger ist als wir (Marie lacht). Er ist irgendwie auf ganz andere Weise am am Puls der Zeit, und das ist sehr interessant. Wenn ich ihm beispielsweise ein Demo gebe und er anfängt, das Teil neuer, frischer zu arrangieren, wird plötzlich ein ganz anderer Song draus. Außerdem kauft man wie immer viele Platten und hört sich immer um, was so Neues passiert, aber wie schon gesagt, wir wollten ein "Classic ROXETTE" Album machen, also haben wir versucht, ein bisschen hiervon, ein bisschen davon zu kriegen, aber es sollte immer noch eindeutig ROXETTE bleiben. Einige Stücke haben immer noch den 12-Saiten-Rickenbecker Sound, ein paar Power Chords und... ja... klassisch eben.

Wo nimmt man überhaupt die Idee für ein neues Album her?

Per: Hm... ich glaube, man macht da eigentlich gar nichts. Ich meine, man verändert nicht sein Leben oder irgendwas, nur um für ein neues Album inspiriert zu werden. Das Leben geht weiter, und man macht immer wieder neue Dinge. Selbst wenn man gerade dabei ist, ein Album abzuschließen, fängt man plötzlich noch an zu denken und schlägt eine andere Richtung ein. Es ist ein ständiger Prozess... Man lebt einfach sein Leben. Und manchmal greife ich dann ein, indem ich ins Studio gehe und versuche, dort was Sinnvolles zu machen. Also eigentlich ist es nichts besonderes, es ist einfach unsere Arbeit, unsere Art, zu kommunizieren. Wir gehen ins Studio, wir verbringen eine Menge Zeit im Studio und wir machen Platten. So läuft es, seit ich 19 bin. Es ist der Lauf der Dinge, und das ist super, weil es eine natürliche Art ist, mit den Dingen umzugehen.

Man kann sagen, dass ROXETTE das erfolgreichste Pop-Duo aller Zeiten ist. Gibt es ein Geheimrezept für Euren Erfolg?

Per: Na ja, wenn Du als junger Musiker gerade anfängst, ist alles sehr romantisch: die ganze Musikbranche und die Studioarbeit und was auch immer. Klar, nach einer gewissen Zeit ändern sich die Dinge, und von dieser großen Romantik ist nicht viel übrig geblieben, denn natürlich stellt sich irgendwann heraus, dass es auch nur ein Job ist. Aber es ist wichtig, die Liebesbeziehung zur Musik aufrechtzuerhalten. Du musst Dich für die Musik interessieren und für das, was Du tust. Also möchte ich in dieser Hinsicht lieber nicht professionell sein, sondern immer noch ein Fan. Ich denke, diese Sichtweise ist entscheidend dafür, ob man am Ende Erfolg hat oder nicht. Natürlich kann man das Buch "Wie schreibe ich einen Hit" zu Rate ziehen, aber im Endeffekt wird so was nicht von Dauer sein. Wenn eine Karriere über mehrere Jahrzehnte Bestand haben soll, ist es einfach unerlässlich, zu sich selbst ehrlich zu sein.

Welche Platte hast Du zuletzt für Dich selbst gekauft?

Per: Oh, die letzte Platte habe ich von meiner Plattenfirma geklaut: es war das Coldplay Album - eine richtig gute Platte! Außerdem bin ich ein großer Fan der schwedischen Band Eskobar. Die haben gerade eine neue Version von einem ihrer Songs gemacht: "Tumblin' Down". Dieser Musikstil ist nicht wirklich neu, sondern viel eher eine sehr traditionelle Art von Popmusik. Für uns ist diese Musik schon seit vielen Jahren präsent. Aber sie hat immer noch viel Energie und macht Sinn, das ist großes Songwriting. Und im Endeffekt ist es das, worum es eigentlich geht.

Welche Bedeutung haben die "Zusatzarbeiten" wie Artwork, Video etc. bei der Produktion eines ROXETTE-Albums?

Per: Der Vorteil von eines guten Cover-Artworks ist die Tatsache, dass man es sowohl für die Bühnenshow als auch für das Album selbst verwenden kann. Wir sind also nach Kalifornien in ein seltsames Hotel namens Madonna lnn gegangen und haben dort viele Aufnahmen sowohl für das CD-Cover als auch für das erste Video gemacht. Wir haben sozusagen das Hotelambiente als Aufhänger benutzt - und es ist großartig geworden. Das war auch für uns eine ganz neue Erfahrung, weil wir so was nie zuvor gemacht haben.

Dann ist ja das erste Video von "Room Service" bestimmt auch sehr interessant...

Per: Wir haben seit Jahren kein Video mehr gemacht, in dem wir selbst aufgetreten sind. Diesmal wollten wir das wieder machen, und unsere Idee war, dass wir in dem Video in einem Raum spielen - genauer gesagt in mehreren Räumen - und viele Leute in anderen Zimmern beobachten am Bildschirm, was wir tun, während in diesen Zimmern wiederum viele verschiedene Dinge ablaufen, In erster Linie ist es also ein Performance Video, das aber an diesem seltsamen Ort stattfindet.

Wie würdest Du dieses Madonna Inn beschreiben?

Per: Madonna Inn ist.., wenn Du es zum ersten Mal siehst, denkst Du, das muss ein Witz sein, so kitschig ist das! Amerikanischer Kitsch aus den 50ern. Es ist unglaublich, aber die Inhaber und die Leute, die dort arbeiten, nehmen es sehr ernst und es ist echt! Wie soll ich das beschreiben.., alle Räume sind... seltsam. Es gibt rosa Räume, rote Räume, grüne Räume, Wasserfälle in den Herrentoiletten und überall diese riesigen Kerzenleuchter und Weihnachtsbäume - unglaublich! Wir haben versucht, das im Albumcover und auch im Video rüberzubringen. Ich bin wirklich überrascht, dass niemand zuvor diesen außergewöhnlichen Ort für so was genutzt hat. Jeder kennt ihn, aber keiner hat bisher da gearbeitet. Cool!


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ROXETTE on Tour 2001:

28.09.2001 München Olympiahalle
29.09.2001 Hannover Preussag Arena
01.10.2001 Stuttgart Schleyerhalle
02.10.2001 Oberhausen Arena
03.10.2001 Schwerin Sporthalle
05.10.2001 Kiel Ostseehalle
06.10.2001 Leipzig Messehalle 7
07.10.2001 Berlin Arena
21.10.2001 Freiburg Messehalle
28.10.2001 Dortmund Westfalenhalle
30.10.2001 Frankfurt Festhalle