MOMO
deutschSeite 1 Seite 2 Seite 3 Ende-Bio english The Story Time Michael Ende

MOMO - Seite 2

Die Geschichte von Momo ist in jenem Reich der Phantasie angesiedelt, das im Nie und Nirgend liegt oder auch in einer zeitlosen Gegenwart.
Somit hat sie durchaus aktuelle Züge. Ende will auf Tugenden des menschlichen Handelns hinweisen, die er für unersetzbar hält.






Beppo Straßenkehrer:

Cover der DVD "Momo"


Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig. Bei jedem
Schritt ein Atemzug und bei jedem Atemzug ein Besenstrich.
Schritt - Atemzug - Besenstrich. Schritt - Atemzug - Besenstrich.
"Siehst Du, Momo", sagte er, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, die kann man niemals schaffen, denkt man."
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: "Und dann fängt man an sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun, und zum Schluß ist man ganz aus der Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen!"
Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du ? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur den nächsten."
Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte:
"Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut.
Und so soll es sein."

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