| KOMMENTAR |
Hoffentlich taucht Tatjana
Trieb (geboren am 26. August 1985) bald schon
wieder im Kino auf. Bekannt wurde das
Mädchen mit der unglaublichen
Leinwandpräsenz einem
Zwei-Millionen-Publikum als 10-jährige durch
ihre Rolle als Lara in dem OSCAR-nominierten
"Jenseits
der Stille". Ihren ersten
Auftritt überhaupt hatte Tatjana allerdings
unter der Regie von Anno Saul, der sie
entdeckt und für einen Videoclip des
Popmusikers Hubert Kah verpflichtet hat.
"Grüne Wüste"
gehört zu diesen Coming-of-Age-Filmen, die
zeigen, dass Teenager keineswegs nur fummeln
und "dreckige Witze" erzählen
müssen. Manchmal sind sie einfach nur
Kinder, denen das Erwachsenwerden weh tut.
"Grüne Wüste" ist
ein Juwel in der blutleeren deutschen
Kinolandschaft, das ohne falsches Pathos,
ohne Effekthascherei einfach eine schöne
Geschichte erzählt und sie in Bilder packt,
die ans Herz gehen.
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Die "Grüne Wüste" ist ein
Paradies,
bis der eine Paradiesvogel an Leukämie erkrankt.
text: christian hentschel (aus
www.gaffa.de)
Die Geschichten junger
Leute sind scheinbar momentan das, aus dem der Stoff
für (deutsche) Kinofilme ist. Kinostreifen wie
"Crazy" oder "Schule" fallen
einem dazu spontan ein, doch auch wenn die Helden in
"Grüne Wüste" ebenfalls erst vierzehn
bzw. fünfzehn Jahre jung sind, hat dieser Film mit
den zuerst genannten rein gar nichts zu tun. Und das
ist auch gut so.
Als der Film beginnt, ist die
Welt noch in Ordnung, zumindest halbwegs. Katja, 14
(Tatjana Trieb, uns allerbestens aus dem Oscar
nominierten Film "Jenseits der Stille"
bekannt) und Johann, 15 (Robert Gwisdek, hier kennen
wir die Eltern) frönen das gleiche Hobby: sie machen
Ausgrabungen und eines Tages buddeln sie tatsächlich
einen skelettierten Ritter hervor. Gefunden haben sie
den im Wald, in ihrer "Grünen Wüste".
Doch
die "Grüne Wüste" ist wenig später nur
noch Rahmenhandlung. Denn die beiden verbindet noch
mehr - und das nicht nur im Wald: nämlich eine erste
Liebe, der auch erst einmal - so sieht es zumindest
aus - nichts im Wege steht. Klar ist es Horror, als
beide erfahren, daß Johanns Vater (Heino Ferch) mit
Katjas Mutter (Martina Gedeck) ein Verhältnis hat.
Katja träumt gar davon, wie sich Freund Johann ihr
nähert und schreit: Ab jetzt bin ich dein Bruder!
Doch diese Episode avanciert schnell zur Nebensache,
denn es kommt faustdick: Johann hat Leukämie. Und
spätestens hier unterscheidet sich der Film
wohltuend von anderen mit ähnlicher Thematik. Das
soll heißen, die "Grüne Wüste" wird mit
Sicherheit nicht im Abendprogramm von SAT 1 und RTL
landen.
Zu
wenig Pathos. Zu wenig Klischee. Das ist vielleicht
auch das Manko fürs Kino, denn während ein
Großteil aller Kinofilme laut und grell daher kommt,
bleibt die "Grüne Wüste" beinahe still,
eben sehr leise, sensibel und einfühlsam - so, wie
Kino (leider) kaum noch funktioniert.
Dabei hat die "Grüne
Wüste" unzählige Zuschauer verdient, durch die
Erzählweise des Regisseurs Anno Saul und das
glaubwürdige Wirken der Hauptdarsteller wird der
Film etwas ganz besonderes. Was dort passiert, nimmt
man den Akteuren auf der Leinwand ab. Der Film wirkt
dermaßen echt, daß es einem den Atem nimmt. Er
fasziniert durch Authentizität, zugunsten einer
Effekthascherei wurde nichts verfälscht, verdreht
oder überbewertet. Das Leben ist wie es ist, und das
ist meistens sehr hart.
Bleibt die gute
Kameraführung zu erwähnen, ein sehr gut
fotografierter Film, und nicht zuletzt der Hauptsong
des Soundtracks. Der stammt nämlich von der nicht
nur gaffa-Lesern bekannten Band ULTRA VIOLET.
"Take My Wings" heißt das kleine Popjuwel.
Für die Berliner und 99er f6 Music Award-Gewinner
ist das bereits der zweite Beitrag für einen Film.
Für "Helden wie wir" coverte Sandra
Baschin mit ihren Männern "What A Wonderful
World" von Louis Armstrong. "Take My
Wings" sowie der komplette Soundtrack (der Score
wurde von Marcel Barsotti komponiert) sind übrigens
auf Tonträger (BMG Berlin Musik GmbH) im Handel
erhältlich
Martina
Gedeck und Heino Ferch machen das Regiedebüt von
Anno Saul zu einem besonderen Glanzstück, das unter
die Haut geht.
Nach hundert Telefonaten und dem vierten Glas Rotwein
in einer Berliner Kneipe hatte Regisseur Anno Saul
den Schauspieler Heino Ferch soweit: "Übrigens
ich machs", raunte Ferch ihm zu. So
konnte Saul nach langem Ringen um die Finanzierung
seines Filmdebüts sämtliche Wunschakteure in die
grüne Wüste schicken.
Allen
voran die 15-jährige Tatjana Trieb, bekannt aus
"Jenseits der Stille", die in ihrer ersten
Hauptrolle als Katja glänzt: Mit ihrem Freund Johann
(Robert Gwisdek) entdeckt sie die Geheimnisse der
grünen Wüste, eines verwucherten Waldstücks. Dort
flüchten die beiden in die Fantasiewelt des Ritters
Heinrich. So versucht sich Katja der tristen
Realität zu entziehen wie etwa ihrer
getriebenen Mutter (Martina Gedeck), die ihren Mann
(Ulrich Noethen) demütigt, indem sie eine Liaison
mit Johanns Vater (Heino Ferch) beginnt. Doch als
Johann an Leukämie erkrankt, muss Katja sich der
Wirklichkeit stellen...
Dieses
wunderbare, vielschichtige Melodram ums
Erwachsenwerden von Swenja Karsten brachte Anno Saul
zum Weinen und er wird nicht der letzte sein.
Worte wie: "Wenn du da bist, weiß ich eben, was
alles weg ist, wenn ich tot bin", erzeugen eine
Gänsehaut, und die erstklassigen Schauspieler, die
alle zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin und her
taumeln und vom Leben einfach überrannt werden,
drücken eine tiefe Wahrheit aus, der sich niemand
entziehen kann. Für diesen magischen Film benötigen
Sie übrigens kein einziges Glas Rotwein. Höchstens,
um ihn zu feiern!
Claudia Lübbke
Ein Film über das Ende einer
Kindheit
Kino und Fernsehen stellen
Kinder mit Klamauk ruhig (siehe
Schneefrei), bedienen sie altersgerecht
(siehe Jönsson-Bande) und zerren sie
vorzeitig in die böse Erwachsenenwelt
(Simpsons). Filme, die sich ernsthaft mit
den Nöten von Heranwachsenden beschäftigen, sind
rar gesät. Grüne Wüste ist solch ein
seltenes Exemplar. Die 14-jährige Katja (Tatjana
Trieb, ihre erste Rolle seit der jungen Lara in
Jenseits der Stille) hat Freundschaft mit
Johann (Robert Gwisdek, Michaels Sohn) geschlossen,
und beide schaffen sich auf einer alten Burg eine
realitätsfreie Zone. Die Realität ist nämlich
schwer zu ertragen: Katjas Mutter hat eine Affäre
mit Johanns Vater, alle wissen Bescheid, ignorieren
es aber. Als Johann an Leukämie erkrankt, können
Katja und er der Wirklichkeit nicht mehr entfliehen.
Ein eindringlicher Film über das Ende einer
Kindheit, in dem die Kinder überzeugen und die
Erwachsenen (Martina Gwisdek, Heino Ferch) hölzern
bleiben, und wo Kameramann Gero Steffen einen dritten
Hauptdarsteller kreiert: den Wald, der sich vom
sonnendurchfluteten Refugium zur Grünen
Wüste verwandelt [ Quelle: http://www.welt.de ]
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