Grüne Wüste

Genre: Drama, Regie: Anno Saul, Laufzeit: 95 Min.
Darsteller: Tatjana Trieb, Martina Gedeck, Robert Gwisdek, Ulrich Noethen, Heino Ferch, Corinna Harfouch
OT: Grüne Wüste, D 1999

Unsentimental und doch emotional ergreifend schildert Kinoregiedebütant Anno Saul den Übergang von der Kindheit zur Erwachsenenwelt.

Tagträume und kleine Fluchten
Schon vom Krebs gezeichnet, trifft sich Johann (Robert Gwisdek) noch einmal mit Katja (Tatjana Trieb)
 

Dem Alltag entfliehen. Sich Tagträumen hingeben. Umgeben von beruhigendem Grün. Die 14-jährige Katja (Tatjana Trieb) und der 15-jährige Johann (Robert Gwisdek) haben ihre "Grüne Wüste" gefunden. Wenn ihnen der Schulstress zuviel und der Krach im Elternhaus unerträglich wird, treffen sie sich in einem Waldstück nahe ihrem Heimatort. Dort sind sie für sich und können unbelastet die herrlichsten Luftschlösser bauen. Besonders Katja braucht diese kleinen Fluchten. Denn zuhause streiten ihre Eltern (Martina Gedeck, Ulrich Noethen) immer öfter, reden von Trennung. Johann ist ihr bester Freund, ihr Vertrauter. Eine zarte Liebe verbindet die beiden. Ihr größter Traum ist es, in ihrem Wald eines Tages einen alten Ritter auszugraben und für diesen ein eigenes Museum aufzubauen. Doch das Schicksal will es anders: Johann erkrankt an Leukämie. Es sieht so aus, als würde Katja vor eine schwere Prüfung gestellt, an deren Ende der Verlust ihres einzigen Freunds steht.

Vom Ende der Kindheit
Liefert erneut eine herausragende schauspielerische Leistung ab: 
Tatjana Trieb
 

Regisseur Anno Saul, der sich bisher als Dokumentar- und Werbefilmer hervorgetan hat, erzählt eine einfühlsame Geschichte über das Erwachsenwerden. Darin ist der Übergang vom Kind zum Jugendlichen und schließlich zum Erwachsenen eine Geschichte von Verlusten. Das unschuldige Spiel weicht dem schulischen und später dem beruflichen Alltag. Liebgewonnene Menschen verändern sich oder gehen fort. Und letztlich verblasst auch die Fähigkeit, zu träumen. Wie diese Erfahrungen auf Katja und Johann einwirken, wird durch das beeindruckende Spiel der beiden jungen Darsteller auch für den Zuschauer emotional nachvollziehbar. Besonders Tatjana Triebs Leistung, die schon für ihre Rolle in Caroline Links "Jenseits der Stille" viel Lob erhielt, wirkt noch lange nach.

Zwar geht es in Anno Sauls Film eher um die Probleme und Sehnsüchte von Halbwüchsigen, doch werden sich gerade Erwachsene angesichts der liebevoll inszenierten Geschichte an längst vergesse Träume und Begebenheiten erinnern. Eine Reise zurück zu den Wurzeln.