welche macke hätten's denn gern? Auf dem Rückweg nach Hause bin ich eben noch schnell durchn Supermarkt. Meine Route im Laden ist auch eigentlich immer dieselbe: Links an den Kassen vorbei zu den Getränken, Kontrollblick ins Eisfach, Saftfächer, Schokolade, Milchproduktekühlregal, Parföng-Abteilung und retour. Am Anfang fiel mir dieses Mal bei den Tiefkühlprodukten ein Typ im Sparkassen-Look auf, der handynutzend das Eisfach prüfend sondierte. Als ich vorbeiging, hörte ich noch wie er ein "Alles leer hier! Nix da! Wie im Osten" in sein Handy berichtete. Nachdem ich also meine Ich- schaff- meine- Einkäufe- in- unter- fünf- Minuten- Tour durchgezogen habe, komme ich wieder an unserm kopfschüttelnden Kundenbetreuer am Eisfach entlang und höre es schon wieder: "Alles leer! Das kannste dir nicht vorstellen! Wo soll denn das noch hinführen?" Ich hab mich kurz daneben gestellt, die Hoffnungslosigkeit mitempfunden und was soll ich sagen? Recht hat der Mann. Jawohl! Eine klägliche Ansammlung von Pizzen von drei verschiedenen Herstellern in insgesamt fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen, ja samma denn scho dritte Welt? Wer soll denn davon satt werden? Da vertelefoniert man doch gerne mal Gesprächsguthaben im Werte von zwei Marlboroschachteln, um diese Missstände demonstrativ anzuprangern. Und irgendwer musses ja tun, damit die Menschheit endlich aufwacht. Würd mich nur noch interessieren, ob tatsächlich einer dran war am Handy oder ob Sparkassen-Freddy nur scharf auf die 15- Minuten- Edeka- Ruhm war. Und wenn doch jemand dran war, gibts dann die gleiche Prozedur beim nächsten Toilettenbesuch?
09 Januar 2005
nachtzugfahrten in westfalen Gestern Abend bin ich noch zu einem Kumpel rüber nach Osnabrück. In Anbetracht der Tatsachte, dass die Zugstrecke hierbei durch so trostlose Orte wie Wissingen, Kirchlengern oder Melle führt, dachte ich: Nimm doch mal Thomas Bernhard zum lesen mit. Deprie sein allein isja keine Kunst. Deprie sein wie Thomas Bernhard, das hat was. Dem zu widerstehen eigentlich noch mehr, also auf in den Kampf. (Man sollte ja sowieso immer ein Buch dabeihaben, dann kann man sich in den unmöglichsten und peinlichen Situationen in die Lektüre versenken, ohne dass es einen taktlosen Eindruck macht.)
Unausgesprochen schienen die anderen Zugpassagiere ähnliche Vorsätze gehabt zu haben.:
Auf der Hinfahrt beichtete eine Dame aus meiner Heimatstadt in ihr Handy, dass sie seit 3 Tagen nicht durchschlafe, sondern immer von Albträumen geweckt werde und sie sich dann aufgewühlt und durcheinander in der dunklen Nacht wiederfände. Da sie weder über eine genaue Erinnerung noch über eine derzeitig negativ persönliche Lage verfüge, sei das Ganze bislang unerklärlich. Ihr graue aber schon vor der nächsten Nacht und sie bräuchte noch unbedingt einen vertrauten Gesprächspartner an diesem Abend.
Auf der Rückfahrt stieg in Hiddenhausen-Schweicheln eine ganze Familie ein, deren jüngster Sohn sich zutiefst von seinen Großeltern gedemütigt sah. Der Abend hat wohl für ihn irgendwie und für seine Familie unverständlich einen subpositiven Verlauf genommen, woraufhin er mit an die 20 namentlich aufgezählte Menschen den Kontakt abbrechen wollte.
Thomas Bernhard ist mir spontan sympathisch geworden.
